Nur drei Tage nach unserem ersten runden Kindergeburtstag feiern wir direkt den nächsten: Unser Sohn wird 9 Jahre alt. Wenn ich an seine Geburt zurückdenke, fühlt sich das noch immer wie eine ganz besondere Achterbahnfahrt der Gefühle an.
Er war unser ganz persönliches Überraschungsei. Ich fuhr damals mit Bauchschmerzen ins Krankenhaus – ohne zu ahnen, was wirklich auf mich zukam. Nur vier Stunden später hatte ich mein zweites Kind auf der Welt. Doch diesen typischen ersten Kuschelmoment gab es für uns nicht: Weil es ihm nicht gut ging, wurde er direkt auf die Neonatologie gebracht. Ich lag auf der Wöchnerinnenstation, die Arme leer. Diese räumliche Trennung von meinem neugeborenen Baby und gleichzeitig die Trennung von unserer großen Tochter zu Hause waren in diesen ersten Tagen unglaublich schwer für mich. – Umso schöner war der Moment, als ich nach Hause durfte und wir ihn nur wenige Tage später endlich nachholen konnten. Als wir endlich als Familie vereint waren fiel der ganze Schmerz der ersten Tage von mir ab.



Schon damals hat sich gezeigt, was für ein vielschichtiger kleiner Mensch in ihm steckt. Er hat einen unglaublich starken Willen und weiß von klein auf ganz genau, was er möchte – und eben auch, was nicht. Wenn ihm etwas gegen den Strich geht, zeigt er das lautstark und emotional. – Seine Gefühle fahren nicht mit angezogener Handbremse, sondern kommen ungefiltert und ehrlich aus ihm heraus. Und gleichzeitig begegnet er neuen Situationen und Veränderungen bis heute sehr bedacht und vorsichtig. Er braucht seinen Moment, um Dinge aus sicherer Distanz zu beobachten und für sich einzusortieren, bevor er sich darauf einlässt. Doch wenn das Eis gebrochen ist und ihn eine Sache packt, ist er mit vollem Herzen dabei – ob er stundenlang versunken eigene Welten aus Lego baut oder seine Hot-Wheels-Autos durchs Zimmer sausen lässt.
Vom Sorgenkind der ersten Tage hat er sich Schritt für Schritt seinen eigenen Platz erobert. Aus den ersten vorsichtigen Babyjahren wurden lebendige Kindergartenjahre und schließlich der Schritt in die Schule. Jede neue Phase hat ihm mehr Zutrauen geschenkt, während sie für mich ein stetiges Umdenken bedeutete: Weg von dem tiefen Beschützerinstinkt der ersten Tage im Krankenhaus, hin zur absoluten Gewissheit, dass dieser kleine Mann seinen Weg sehr genau und in seinem ganz eigenen Tempo geht. Ich muss dabei nicht mehr jede Unebenheit für ihn ausräumen oder ihn vor der Welt beschützen. Ich darf einfach sein sicherer Hafen sein – der Anker im Hintergrund, an den er immer andocken kann, wenn die Gefühlswellen mal zu hoch schlagen.
Ehrlich gesagt war der Alltag mit zwei Kindern unter zwei Jahren damals eine echte Herausforderung. Zwei Wickelkinder gleichzeitig, schlaflose Nächte und das ständige Spagat zwischen den unterschiedlichen Bedürfnissen haben mich oft an meine Grenzen gebracht.



Doch genau aus diesen neun Jahren habe ich zwei wertvolle Dinge gelernt: Erstens, dass feste Pläne im Leben zweitrangig sind – es kommt ohnehin meist anders, und das ist okay. Und zweitens, dass wir als Mamas nicht perfekt funktionieren müssen, um unseren Kindern genau das zu geben, was sie brauchen. Es reicht vollkommen aus, da zu sein, den Moment so zu nehmen, wie er kommt, und sie genauso bedingungslos anzunehmen, wie sie sind.
Alles Gute zum 9. Geburtstag, mein Schatz. Danke, dass du unser Leben damals so wundervoll auf den Kopf gestellt hast und mich seit neun Jahren jeden Tag aufs Neue lehrst, wie wertvoll echte Gefühle sind.
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