Mein kleiner Sohn wird in den kommenden Tagen acht Monate alt sein. Ein guter Zeitpunkt für mich, um zurück zu blicken. Mein Sohn wurde als Geschwisterkind geboren. Er ist der kleine Bruder.
Die Monate sind ganz anders an mir vorbei gezogen, als bei meiner Tochter.
Das Baby hat genauso wie ich die Schwangerschaft hinter sich gelassen und wird viel mobiler und eigenständiger. Dabei steht er seiner Schwester in nichts nach, was uns nach seinem holprigen Start ins Leben sehr erfreut.
Entbunden habe ich per Kaiserschnitt. Ich hatte … kurz nachzählen … vier Nächte im Krankenhaus für mich. Und mir ging es alles andere als gut. Das lag aber weniger an der OP, die gerade hinter mir lag als an der Tatsache dass ich weder meine Tochter noch meinen Sohn bei mir haben konnte. Mein Baby musste nämlich seine ersten Tage getrennt von mir in ärztlicher Obhut verbringen. – Das hatte verschiedene Gründe, sie alle hier aufzuführen würde den Rahmen sprengen. – Zwar durfte ich ihn besuchen und kuscheln auf der Babyintensiv, allerdings ohne seine Schwester. So hieß es für mich, und unseren Papa, im früh Wochenbett pendeln. Zwischen Zuhause und Krankenhaus. Zwischen meiner großen Tochter und meinem kleinen Sohn. Zwischen der Aufmerksamkeit auf meiner Ausheilung und der Frage wann wir unseren Sohn endlich nach hause holen können.

Nach Hause holen durften wir ihn dann endlich als er bereits elf Tage alt war. Bis wir ihn überhaupt mitnehmen konnten musste ich mich noch mal gegen die Diensthabende Ärztin durchsetzen, die mir vorwarf ich könne mein Kind bestimmt nicht zuhause versorgen und stünde bald wieder in der Klinik. Das Gegenteil war der Fall. Noah entwickelt sich bis heute sehr gut.
Zu Hause angekommen wusste er instinktiv direkt, welchen Raum im Familienalltag er einnehmen konnte. Er war still und unauffällig. Bis auf wenige ausnahmen war er ein pflegeleichtes Baby. So vergingen die Monate. Und Emma wuchs in ihrer Rolle als große Schwester immer mehr in ihrer Selbstständigkeit.
Inzwischen, mit fast acht Monaten, wird der kleine Bruder viel präsenter. Er ist mobil geworden, robbt seinen weg und erkundet jeden Winkel. Unbekanntes wird genauestens studiert und beobachtet. Es ist als hätte jemand einen Schalter umgelegt.
Und wie geht es mir? Das Programm ist straff. Dennoch muss ich sagen mit zwei Kindern schaffe ich mehr im Haushalt als mit einem, noch vor einem Jahr. Ich lebe in meinem Alltagstrott. – Irgendwie ist jeder Tag das selbe aus Betten machen, irgendwas sauber machen, waschen, Kinderzimmer aufräumen, Windelwechseln, Flasche machen und Essen zubereiten. Mittags wenn die Kinder schlafen nehme ich die Zeit für mich. Dann lege ich mein Bullet Journal weiter an, schreibe Beiträge für den Blog, erledige den Haushalt in Ruhe, oder mache einfach mal nichts.
Diese Form des Egoismus musste ich in den letzten Wochen erst lernen. Wenn man das überhaupt so nennen kann. Sicherlich kennt jeder den Sicherheitshinweis im Flugzeug in dem es um die Sauerstoffmaske geht: … ziehen die Maske ganz zu sich heran, und helfen sie danach Kindern und hilfsbedürftigen Menschen …. Nothing more to say.
